„2022 wird es in Deutschland um das Thema Web 3.0 laut werden“ – Dajana Eder über ihr neues Projekt „Women* in Blockchain“

17. März 2022

Blockchain, Krypto und NFTs – das sind mehr als nur Buzzwords. Genau genommen handelt es sich um eine neue Technologie, die unsere Wirtschaft und unser Leben maßgeblich beeinflussen und mitbestimmen wird, so Dajana Eder (35), Web 3.0-Gründerin von „Women* in Blockchain“. Als Expertin für Online-Kommunikation ist Dajana Eder seit über zehn Jahren im Auftrag der Diversität im Web 2.0 und auf Sozialen Netzwerken unterwegs und kreiert für Unternehmen und Brands inklusive Kommunikationsstrategien.

Mit der Gründung ihres NFT-Projekts hat sie sich zum Ziel gesetzt, Frauen* und Flinta* den Zugang zu Web 3.0, Crypto und NFTs (Non Fungible Token) durch deutschsprachige Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen zu ermöglichen. Damit setzt sie auf Bildung und Austausch auf Augenhöhe und sorgt so für eine diverse und inklusive Community. Die NFTs, also digitale Unikate von Künstler*innen, sollen hier zukünftig als Sammlerstück und Eintrittskarte zur virtuellen Bildungs- und Community-Plattform sein. 

femtastics: Wie sind du und deine Co-Gründerin Nicole Dechow auf die Idee gekommen, „Women* in Blockchain“ zu gründen und wann habt ihr euch entschlossen, das Projekt tatsächlich umzusetzen? 

Dajana Eder: Um 2016 habe ich in Krypto investiert, um mir ein Back-up aufzubauen. Vor allem in den letzten Jahren hat sich der Kurs sehr gut entwickelt und das Investment war während der Pandemie eine wichtige Rücklage. Mein Aktiendepot war und ist jenseits von Gut und Böse, meine Einnahmen aus meiner Selbstständigkeit als Beraterin waren gering. Was auf der Blockchain oder im Web 3.0 passiert, hatte ich also auf dem Radar, habe mich aber nicht als Expertin gefühlt. Fragen stellen wurde meist abgestraft, spätestens, wenn man mich als Frau* gelesen hat. Ende 2021 hat mich meine Freundin und heutige Co-Gründerin Nicole Dechow gefragt, ob ich mit ihr Matrix NFTs kaufen will – also stand ich um 4 Uhr auf und war im Game. Da wusste ich, dass mich das Thema nicht mehr loslassen würde und startete die Recherche. Ich wollte mir Wissen aneignen und habe mir eine Basis geschaffen, um überhaupt zu verstehen, was das Web 3.0 für Möglichkeiten bietet und wie ich daran teilhaben könnte. So entstand die Idee des Community-Projekts „Women* in Blockchain“ für Frauen* und Flinta* im deutschsprachigen Raum. Das Projekt ist im Januar 2022 mit Instagram gestartet, mittlerweile streamen wir monatlich zu unterschiedlichen Themen unter anderem via Youtube. 

Der Gedanke einer unabhängigen Community hat mich sehr begeistert. Frauen* waren in der Vergangenheit oft außen vor, doch das Web 3.0 ist noch in der Entstehung und wir können endlich mitgestalten.

Du hast am Anfang 2016 das erste Mal in Krypto investiert. Wie bist du damals auf das Thema aufmerksam geworden ist?

So wie sehr viele Frauen darauf aufmerksam werden: Mein damaliger Freund hat mir eine Ledger Wallet [Anmerk. d. Red.: Hardware, um Krypto-Währungen sicher zu speichern] zu Weihnachten geschenkt. Als wir uns getrennt haben, lag diese Wallet sehr lange unbeachtet herum. 2020 habe ich dann das erste Mal nachgeschaut, was die Coins wert sind. Ich war begeistert, aber musste mir erst einmal selbst beibringen, wie ich diese zu Euro transferiere und mir auf mein Konto auszahlen kann. Vieles hat sich zunächst fremd angefühlt und ich wusste, dass Fehler nicht mehr rückgängig zu machen sind. Wenn du beispielsweise einen Zahlendreher in der Walletadresse hast, sind die Coins weg. Ich habe mir eine größere Auszahlung geschickt und dabei hatte ich über Stunden richtig Herzrasen. Ich dachte mir, dass es doch nicht sein kann, dass einem da niemand hilft oder es kaum Gleichgesinnte gibt, mit denen ich mich austauschen konnte. Heute ist das sehr viel einfacher.

Also hast du die „Women* in Blockchain“-Community gegründet? 

Genau. Der Gedanke einer unabhängigen Community hat mich sehr begeistert. Frauen* waren in der Vergangenheit oft außen vor, doch das Web 3.0 ist noch in der Entstehung und wir können endlich mitgestalten. „Women* in Blockchain“ ist ein Projekt, an dem keine Investor*innen oder andere Kapitalgeber*innen beteiligt sind, denn die Finanzierung passiert durch die Community. Diese Unabhängigkeit von großen Geldgeber*innen sorgt dafür, dass wichtige Entscheidungen über die Zukunft und Umsetzung des Projekts voll und ganz bei der Community liegen, zum Beispiel der Plan, ein DAO [Anmerk. d. Red.: Decentralized Autonomous Organization, eine Unternehmensform im Web 3.0] zu gründen.

1×1 – die wichtigsten Begriffe im Überblick

  • Web 3.0: Basiert auf der Technologie der Dezentralisierung und diversen Blockchains
  • Crypto/Coins: digitale Währung
  • Tokens: Vermögenswerte auf der Blockchain, wie zum Beispiel NFTs und Coins
  • Metaverse: Ein virtueller Raum, einschließlich der Summe aller virtuellen Welten, der erweiterten Realität und des Internets
  • DAO: Decentralized Autonomous Organization, eine Unternehmensform im Web 3.0
  • Discord Server: Onlinedienst für Instant Messaging, Chat, Sprachkonferenzen und Videokonferenzen

Im Web 3.0 gilt: „Community first!“

Wie funktioniert eure Community genau?

Auf Instagram unter @wom3n.eth, via YouTube und in unserem Podcast „Women* in Blockchain“ können sich Interessierte über das Web 3.0, Metaverse und Co informieren. Schließlich kann man auch unserem Discord Server [Anmerk. d. Red.: Onlinedienst für Instant Messaging, Chat, Sprachkonferenzen und Videokonferenzen] beitreten. Hier findet reger Austausch statt und es werden laufend Lernmaterialen ergänzt.

Im Web 3.0 gilt: „Community first!“ Das Projekt ist die Community und umgekehrt. Durch die NFTs, die von unserer Illustratorin Fritzi Stuke hinzukommen, finanzieren wir nicht nur das Projekt, sondern jede*r Collector*in hält eine Art Anteil. Dieses umfasst ein Stimmrecht in der Fortführung des Projekts, exklusive Events und einiges mehr, dies ist in den NFTs unterschiedlich. Grundsätzlich gilt, je seltener die inkludierten Assets sind, desto mehr sind die NFTs wert – wie in jeder Sammlung. Bis wir unsere NFTs launchen, wollen wir aber mindestens 10.000 Frauen* über alle Plattformen hinweg an Board „To the Moon!“ haben.

Wie kann ich tiefer in das Thema NFTs einsteigen und was würdest du für eine Recherche empfehlen?

Ich würde empfehlen, via Google nach Projekt-Keywords zu suchen, wie zum Beispiel „women / queer NFT projects“. Wenn du Worte nicht verstehst, suche dazu Erklärungen, denn das Web 3.0 ist voller neuer Begriffe. Schaue dir deren Social Media-Auftritt mit Fokus auf Twitter an und mit welchen Accounts dort interagiert wird. Werde aktiver Teil der Community und beginne entsprechende Inhalte zu teilen bzw. auf Beiträge zu reagieren. Wenn du tiefer ins Projekt einsteigen willst, solltest du deren Discord Servern beitreten. Dort findet ein intensiver Austausch und wichtige Abstimmungen statt. Kurz gesagt: Google Keywords-Recherche, Twitter-Recherche und erste Interaktionen, Discord beitreten.

Wie ist es für euch zwei als Co-Gründerinnen ein solches Projekt aus dem Boden zu stampfen? Gab oder gibt es auch mal Streit? Wie teilt ihr euch die Aufgaben auf?

Es war von Anfang an klar, dass ich zu 100 Prozent reingehen muss und ab 2022 keine anderen Projekte bearbeiten kann. Wenn Geld zur Verfügung gestellt werden muss, dann kommt das von mir. Nicole ist nicht Vollzeit am Projekt beteiligt und hat vor allem organisatorische Arbeit übernommen, damit ich im kreativen Prozess bleiben kann. Nicole und ich kennen uns schon sehr lange und wir wissen, wie wir funktionieren. Aber natürlich gab es auch Situationen, in denen wir diskutiert haben. Vor allem, als wir entscheiden mussten, was wir mit Investor*innen machen – weil es Interesse gab, nur die Möglichkeit der Umsetzung war beschränkt. Wir wussten nicht, wie wir sie etablieren oder einbinden können, ohne dass es sich für uns zu einem Nachteil entwickelt. 

Das Ziel ist die Unternehmensform DAO zu werden, dann sind alle im Team am Erfolg beteiligt. Eine ganz neue Art, Unternehmen aufzubauen und Mitarbeiter*innen zu finden. Davon werden wir in naher Zukunft mehr sehen.

Warum habt ihr euch gegen Investor*innen entschieden?

Wir brauchen gar nicht so viel Startkapital. Meine Arbeitszeit muss ich jetzt natürlich von meinen Ersparnissen bezahlen, aber alles andere ist gerade in einem überschaubaren Rahmen. Was wir brauchten beziehungsweise brauchen werden, sind circa 20.000 Euro. Wir haben uns gefragt: Was sind wir bereit, dafür zu tun? Dafür möchte ich nicht jemandem jeden zweiten Tag ein Update schicken müssen und meinen kreativen Flow stören. Mittlerweile sind wir zehn Personen, die sich an dem Projekt beteiligen – das Ziel ist die Unternehmensform DAO zu werden, dann sind alle im Team am Erfolg beteiligt. Eine ganz neue Art, Unternehmen aufzubauen und Mitarbeiter*innen zu finden. Davon werden wir in naher Zukunft mehr sehen.

Gerade in Zeiten wie diesen, also in unsicheren Zeiten, müssen Menschen von ihren Chancen erfahren. Ich möchte die Frauen* dahin bringen, dass sie das Web 3.0 und unser Projekt verstehen und dann aktiv teilhaben können. 

Warum ist es euch so wichtig, insbesondere Frauen* in dieser neuen Technologie auszubilden und zu stärken? 

Jetzt haben wir die Möglichkeit, mittendrin statt nur dabei zu sein. Wir können mitentscheiden und mitentwickeln. Gerade in Zeiten wie diesen, also in unsicheren Zeiten, müssen Menschen von ihren Chancen erfahren. Zum Beispiel, wie sie sich anders und vor allem unabhängiger organisieren können, dass sie auf dezentralisierte Währungen zurückgreifen können und dass Geld Verdienen dezentralisiert und international stattfinden kann. Wenn ich mir Projekte aus den USA, Indien und Osteuropa anschaue, ist es krass, was da passiert. Aber Deutschland schläft „noch“. Wo sind die deutschen NFT-Projekte? Ich habe ein Projekt gefunden, aber das ist sehr nerdig aufgebaut. Es muss einfach sein, einem Projekt beizutreten. Ich möchte die Frauen* dahin bringen, dass sie das Web 3.0 und unser Projekt verstehen und dann aktiv teilhaben können. 

Es geht nicht nur um NFTs, Krypto und Co, es geht vor allem um selbstständige und freie Organisation unabhängig von Ländergrenzen und Zeitzonen. Es braucht Diversität.

Wenn du in die Glaskugel schaust: Wie sieht die Zukunft von Web 3.0 im Allgemeinen aus? Was erwartet uns in den nächsten Jahren? 

Meine Prognose: Im Sommer 2022 oder spätestens bis Ende des Jahres wird es in Deutschland laut werden und das Thema Web 3.0 bei jeder Person zuhause landen. Große deutsche Unternehmen wie „Mercedes Benz“, „Adidas“ und „Puma“ sind bereits stark in dem Bereich unterwegs und bringen das Thema zusätzlich zu den Menschen. Welche Projekte dort genau stattfinden, findet man auch in unserem Discord Channel. Aber alles in allem wird jede*r, die oder der heute Social Media nutzt, auch mit Web 3.0 in Berührung kommen. Im Web 2.0 beziehungsweise Social Media spricht man mit der Community, doch im Web 3.0 ist die Community das Web. Dezentralisierung der Daten bedeutet eben „Power to the People!“. Es geht nicht nur um NFTs, Krypto und Co, es geht vor allem um selbstständige und freie Organisation unabhängig von Ländergrenzen und Zeitzonen. Es braucht Diversität. Es braucht Plattformen, die Wissen zugänglich machen. 

Wie kann man nun ganz konkret ein Teil von „WOMEN* in Blockchain“ werden?

Das Onboarding ins Web 3.0 passiert am schnellsten, indem du Lerninhalte via dir bekannten Plattformen konsumierst, wie Instagram, Podcast oder YouTube. Die intensiven Learnings und aktiver Austausch finden auf Discord statt, dort ist auch unser Team für Supportanfragen erreichbar. Und im zweiten Schritt: Spread the Message! Teile deine Erfahrungen und Learnings mit deinen Freund*innen. Wenn du Wissen mit mir teilen willst, dann schreibe mir einfach und wir können darüber sprechen – in unserem Projekt ist Platz für alle Visionär*innen.


Hier findet ihr „Women* in Blockchain“:


Interview: Katharina Heilen


Fotos:  Dajana Eder (PR)

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