Wie können wir die Demokratie retten, Sally Lisa Starken? Noch ist es nicht zu spät!
11. März 2026
geschrieben von Gastautor*in

Wir können gerade live zusehen, wie Demokratien kippen. Wie Parteien, Personen und Programme, die früher als radikal galten, plötzlich "normal" werden. Wenn Rechtsextremismus bzw. Autoritarismus nicht mehr nur eine Wahlkampfrhetorik ist, sondern eine Regierungsstrategie. In den USA, in Polen, Italien, aber auch hier in Deutschland.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg kam die AfD auf ein Ergebnis von 18,8% (ihr bislang bestes Wahlergebnis in einem westdeutschen Bundesland), bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sowie in Mecklenburg-Vorpommern liegt die vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextremistisch" eingestufte Partei nach Umfragen an der Spitze. Auch hierzulande sieht es schlecht aus für die Demokratie.
Journalistin Sally Lisa Starken hat darüber ihr neues Buch geschrieben: "Wenn der rechte Rand regiert" (das heute, am 11. März 2026, im "Heyne" Verlag erschienen ist). Sie erklärt darin, wie es dazu kommt, dass Demokratien kippen. Sie sagt aber auch: Noch können wir unsere Demokratie retten. In diesem Auszug aus ihrem Buch erläutert die Politikexpertin, was wir jetzt konkret tun können.
Wem schenken wir eigentlich unsere Aufmerksamkeit?
Was passiert, wenn wir Menschen wie Trump oder der AfD genau das
entziehen, worauf ihre gesamte Strategie beruht – unsere Blicke, unser
Ohr, unsere Empörung, unsere ständige Reaktion? Und wenn wir stattdessen
dorthin schauen, wo Menschen längst an Lösungen basteln,
Fakten erklären, mutig widersprechen, Nachbarschaften organisieren,
Vereine lebendig halten?
Initiativen zeigen, wie das geht: Sie leben Demokratie
im Alltag, stärken die Dialogkultur, schulen gegen Hass im
Netz. Sie beweisen jeden Tag, dass Aufmerksamkeit auch eine politische
Ressource ist – und dass sie dort am wirksamsten ist, wo sie Mut, Kompetenz und Gemeinsinn verstärkt statt Empörung und Spaltung.
Wenn wir unseren Fokus mehr darauf richten würden, käme noch etwas anderes in den Blick: dass die Zukunft nicht von jenen bestimmt wird, die am lautesten drohen, sondern von denen, die konsequent arbeiten, vernetzen, gestalten. [...]
Was wir jetzt tun können
Der Morgen nach der Wahl kommt – in welcher Welt wollen wir dann aufwachen?
Die Antwort lautet nun: Es hängt von uns ab! Zukunft entsteht, weil wir handeln – oder weil wir es nicht tun. Sie entsteht im Kleinen, im Alltag, im Gespräch, in der Haltung, die wir einnehmen, wenn es unbequem wird.
Denn Demokratie ist ein System, das nur funktioniert, wenn wir uns selbst als Teil davon begreifen.
[...] Wir dürfen nicht warten, bis die AfD in Landesregierungen sitzt.
Wir dürfen nicht warten, bis Institutionen noch mehr unter Druck geraten,
bis Sprache weiter kippt, bis Normen bröckeln.
Diese Prozesse laufen bereits. Aber wir können sie stoppen, wenn wir
jetzt reagieren.
Wir müssen vor die Welle kommen. Die gute Nachricht: Noch ist es
nicht zu spät.
Und darum soll dieses Buch auch nicht mit Angst enden, sondern mit
einer Einladung und einem Angebot:
Wir können mehr Einfluss nehmen, als wir oft glauben.
Wir können entscheiden, nicht wegzusehen.
Wir können uns einmischen.
Und wir müssen unsere demokratische Kraft ernst nehmen – jede
und jeder von uns.
Wir sind nicht gespalten, solange wir uns als Gemeinschaft begreifen.
Eine Gemeinschaft, die mehr verbindet als trennt.
Eine Gemeinschaft, die ihre Konflikte respektvoll austrägt, ohne sich und
ihre Würde aufzugeben.
Und hierin liegt der wichtigste Punkt:
Wenn wir handeln, bevor es zu spät ist, wird der Morgen nach der Wahl
kein Schreckensmoment.
Er wird ein Wendepunkt.
Ein Tag, an dem wir sagen können:
Wir haben nicht gewartet.
Wir haben nicht verharmlost.
Wir haben angefangen, unsere Demokratie zu verteidigen.
Und vielleicht, wenn wir es gut machen, wird dieser Morgen nach der Wahl der Moment sein, an dem wir merken: Wir sind stärker, als wir dachten – und wir sind mehr, als wir glauben.
Und dann wird das, was uns selbstverständlich erscheint, auch am Morgen danach noch selbstverständlich da sein.
Abschließende Worte und Handlungstipps
Ich möchte mich bei all jenen bedanken, die sich bereits für unsere Demokratie einsetzen. Falls ihr noch nach Tipps sucht, was ihr nun machen könnt – ich habe einige für euch zusammengetragen:
- Geht immer wählen – macht dafür im Freundes- und Familienkreis aktiv Werbung, indem ihr Wahltermine teilt, Briefwahl erklärt oder Fahrgemeinschaften zum Wahllokal organisiert.
- Wir müssen im Alltag widersprechen, wenn Menschen entmenschlicht oder Gruppen pauschal abgewertet werden – am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein oder in Chatgruppen.
- Hassrede und strafbare Inhalte im Netz bitte immer melden; unterstützt Betroffene und teilt verlässliche Informationen, statt Gerüchte weiterzuleiten.
- Wir können mit Andersdenkenden bewusst ins Gespräch gehen, Fragen stellen, zuhören und in der Sache streiten, ohne die Person abzuschreiben.
- Vor Ort engagieren? Das geht im Sportverein, in der Elternvertretung, in Nachbarschaftsinitiativen, Bürgerbündnissen gegen rechts oder lokalen Demokratieprojekten.
- Tretet in eine Partei ein, wenn ihr mögt! Kandidiert für ein Mandat, um Entscheidungen direkt mitzugestalten.
- Wir können unabhängige Medien, lokale Redaktionen und Projekte politischer Bildung finanziell oder ehrenamtlich unterstützen.
- Wir können Räume für demokratische Kultur schaffen, indem wir Lesekreise, Diskussionsabende, Demokratiefeste oder Nachbarschaftstreffen organisieren und Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund einladen.
- Wir können im Beruf für Fairness und Mitbestimmung eintreten, etwa im Betriebsrat, in Personalräten oder in Diversity-Initiativen.
- Wir können uns selbst politisch weiterbilden – zu Geschichte, Demokratie,
Rassismus und Desinformation – und dieses Wissen im eigenen
Umfeld weitergeben.
Hier findet ihr Sally Lisa Starken:

Buchcover: "Heyne" Verlag
Sally Lisa Starkens Buch "Wenn der rechte Rand regiert" ist jetzt erhältlich.
Foto: Daniel Dittus, Collage: Canva