Ganz schön frisch – das Eco Magazine Peppermynta

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Immer mehr nachhaltige Labels und Ökoprodukte werden auf den Markt geworfen. Gut so! Das haben die freie Moderedakteurin Lesley Sevriens und die freie Grafikerin Fenja Kramer zum Anlass genommen vor zwei Monaten ihr Eco Onlinemagazine Peppermynta zu launchen. Lesley arbeitet unter anderem für die Neon, Fenja zum Beispiel für die Happinez. Wenn beide nicht gerade mit Hund und Kind unterwegs sind, widmen sie sich ihrem Herzensprojekt, stellen Produkte und Labels vor und produzieren eigene Mode- und Beautystrecken. Wir haben die beiden Macherinnen in Fenjas hübscher Altbauwohnung in St. Pauli besucht und über ihre Gründung, ihre „fliegende Redaktion“ und ihren persönlichen Öko-Lifestyle gesprochen.

femtastics: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Peppermynta zu gründen?

Lesley Sevriens: Den Kontakt hat eine Freundin hergestellt. Sie hat zu mir gesagt: „Du musst unbedingt Fenja Kramer kennenlernen, die hat vor, einen nachhaltigen Blog ins Leben zu rufen und du hast doch auch deinen „The Garden Girls“-Blog – das würde total gut passen.“ Dann haben wir uns zu dritt mit der Freundin getroffen …

Fenja Kramer: … und waren gleich verliebt. (lacht)

Lesley: Bei unserem ersten Treffen hat Fenja fünf Aktenordner mitgebracht, in denen sie Produkte nach Themen gesammelt hatte, von Beauty über Wasser bis zur tollen nachhaltigen Initiative. Da dachte ich sofort: Wow, da ist jemand definitiv richtig in der Materie drin. Das hat mich beeindruckt.

Fenja: Und mich natürlich total gefreut.

Lesley: Der erste Eindruck war sofort, dass das Thema spannend ist und, dass wir uns gut in dem, was wir machen und können, ergänzen würden. Dann haben wir uns wieder getroffen und dann ist unser Projekt immer konkreter geworden.

Fenja: Ursprünglich wollte ich das Magazin mit einer anderen Freundin machen, die ist aber Lehrerin und der wurde das zu viel. Da ging eine Tür zu und dafür eine andere Tür wieder auf – plötzlich stand Lesley da.

peppermynta-interview

Wie hebt ihr euch von anderen Eco-Magazinen und Blogs eurer Meinung nach ab?

Lesley: Wir wollen, dass es bei Peppermynta über eine reine Produktvorstellung hinausgeht, Themen gut recherchieren und die Firmen und Menschen hinter den Produkten vorstellen. Außerdem gibt es bei uns Produktionen, das war uns von vornherein wichtig. Alles ist sehr magazinig gedacht.

Fenja: Wir haben beide einen redaktionellen Background, wir denken redaktionell. Ich war letztens auf einem Beauty-Blogger-Event, die Blogger machen das ja zum größten Teil anders und erzählen von den Events auf ihren Blogs in zeitlicher Abfolge. Das ist eine andere Herangehensweise als wir es machen. Es war von Anfang an klar, dass wir nicht aus der Ich-Perspektive schreiben werden und uns eher im Hintergrund halten wollen. Als Grafikerin achte ich bei der Produktauswahl natürlich auch extrem aufs Packaging.

Lesley: Außerdem wollten wir zeigen, dass es abgesehen von den bereits bekannten Naturkosmetikmarken und Eco-Modelabels, die in Nachhaltigkeits-Specials und in Magazinen und Blogs üblicherweise genannt werden, inzwischen eine ganze Bandbreite von Herstellern gibt, die längst umgedacht haben und spannende neue Wege gehen.

Wie seid ihr auf den Namen Peppermynta gekommen?

Fenja: Ich wollte etwas Grünes und Frisches, aber nichts, das sich zu offensichtlich auf Nachhaltigkeit bezieht. Ich habe dann viel gebrainstormt … Lemon, Frisch, Pfefferminze, Peppermint … Die Freundin, mit der ich das ursprünglich machen wollte, hat schwedische Wurzeln. Pfefferminze heißt auf Schwedisch Peppermynta und ich fand das Wort grafisch so toll mit dem Y.

 

Wir sind eine fliegende Redaktion. Unser kleines Netzwerk aus freien Autoren ist überall verteilt, New York, Hamburg, Stuttgart, Spanien.

Ich finde es auch gut, dass ihr kein „Eco“ oder „Green“ im Namen habt.

 Lesley: Das war uns auch wichtig, dass zum Beispiel kein Grün im Logo auftaucht …

Fenja: … wir wollten aber etwas Organisches im Logo integrieren, deshalb das Blatt.

helleundpelle

femtastics-Helle & Peppermynta-Pelle

Wie würdet ihr euren Arbeitsalltag beschreiben?

Fenja: Wir sind eine fliegende Redaktion. Unser kleines Netzwerk aus freien Autoren ist überall verteilt, New York, Hamburg, Stuttgart, Spanien. Wir kommunizieren alle über eine Facebook-Gruppe und wir beide What’s appen und telefonieren viel. Wir haben keinen festen Tag, an dem wir uns treffen. In der Regel treffen wir uns nur ein paar Stunden in der Woche und besprechen die wichtigsten anstehenden Dinge, aber die meiste Zeit passiert alles so – ohne, dass wir in einem Raum sitzen. Wir arbeiten natürlich auch sehr viel abends und am Wochenende.

Es wäre toll, wenn man irgendwann von überall auf der Welt flexibel an Peppermynta arbeiten könnte.

Ihr kommt beide aus dem Print – warum der Wunsch, online etwas Eigenes zu gestalten?

 Fenja: Vor allem, weil es viel leichter und schneller umsetzbar ist als ein Printmagazin.

Ihr macht Peppemynta noch nicht hauptberuflich – strebt ihr das denn für die Zukunft an?

Fenja: Ich mag gerade die Mischung, ein paar Tage frei als Grafikerin zu arbeiten und den Rest der Zeit an Peppermynta. Ich habe 20 Jahre als Festangestellte gearbeitet und habe mich erst im Oktober 2015 selbstständig gemacht – den Mix genieße ich gerade sehr.

Lesley: Der Wunsch, das Magazin so auszubauen, dass man langfristig irgendwann mehr Tage an Peppermynta arbeitet und weniger Tage in einem Verlag, ist auf jeden Fall da. Es wäre toll, wenn man irgendwann von überall auf der Welt flexibel an Peppermynta arbeiten könnte.

Es wird in Zukunft immer mehr Brands geben, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen.

Habt ihr schon mal überlegt, Investoren mit ins Boot zu holen?

Lesley: Wir hatten tatsächlich einen Investoren, der interessiert war. Für uns haben die Konditionen langfristig aber keinen Sinn gemacht, weil für uns am wichtigsten ist, dass das Baby in unseren Händen bleibt. Der Modeblog LesMads ist ein gutes Negativbeispiel, warum man vorsichtig ist und nicht bei jedem Angebot „Yeah“ schreit. Der Blog wurde von ambitionierten Bloggern hochgezogen, der Burda Verlag ist eingestiegen und jetzt wurde der Blog eingestampft. Wir haben uns lieber für den steinigen Weg entscheiden und sind selbst in Vorleistung gegangen.

Peppermynta-kueche

Wo steht denn gerade der Eco Lifestyle in Deutschland?

Lesley: Man merkt auf jeden Fall, dass sich nach der ganzen Slow-Food-Bewegung jetzt wahnsinnig viel in der Beauty tut und Naturkosmetikfirmen einen totalen Run haben. Die Nachfrage wird in den nächsten Jahren sicherlich noch steigen. Das sind Produkte, die einen unmittelbar betreffen und die man sich teilweise direkt auf die Haut aufträgt – ein Thema, das viele natürlich aus „egoistischen“ Gründen beschäftigt. Und Mode ist das nächste große Thema. Da spaltet sich die Gesellschaft gerade total. Die einen haben Lust darauf, ganz viel und ganz günstig bei Primark zu konsumieren, denken nicht großartig darüber nach. Und dann gibt es die, die sich nachhaltige Mode halbwegs leisten können und reflektierter sind. Dieser Teil hat mittlerweile eine große Auswahl und ist dankbar dafür, dass es viele Marken gibt, die umdenken. Es wird in Zukunft immer mehr Brands geben, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen werden. Ich glaube, dass immer mehr Menschen Lust darauf bekommen, weniger aber dafür schöne Produkte zu konsumieren, die mit Herzblut gemacht werden.

Wie steht ihr zu großen Brands und Ketten, die sich mit Eco-Themen schmücken?

Lesley: Ich habe da gerade erst mit Magdalena Schaffrin drüber gesprochen, die den Berliner Eco Showromm mitbegründet hat und im Frühjahr zusammen mit Ellen Köhrer das Buch „Fashion Made Fair“ herausbringt. Sie findet es, genauso wie ich, grundsätzlich gut, dass die großen Ketten ein bisschen was machen – die erreichen auch die breite Masse im Vergleich zu allen anderen. Aber natürlich werden sich die großen Konzerne nie komplett umstellen können, sie sind einfach darauf ausgelegt, eine riesige Stückzahl in kurzer Zeit zu produzieren. Es ist trotzdem gut, wenn Modelabels einen Teil ihrer Kollektion anders herstellen. Wenn wir so etwas auf Peppermynta bringen, würden wir das aber immer mit einem kritischen Interview verbinden, sonst veprellen wir schnell unsere Leser.

Wie integriert ihr persönlich Nachhaltigkeit und Eco Labels in euren Alltag?

Fenja: Es ist schwierig mit Kind, das gebe ich zu. Von meinem 12-jährigen Kind werde ich öfters Ökomutti genannt, vor allem wenn wir im Supermarkt sind und ich versuche, ihm bestimmte Produkte auszureden. Immer wenn etwas in der Wohnung kaputt geht, versuche ich es „in gut“ nachzukaufen. Im Avocado-Store bekommt man zum Beispiel alles – man kann sich jetzt nicht mehr drücken. Ich bin auf Stückseife umgestiegen, ich habe einen Stoffbeutel in der Tasche und so geht das immer weiter. Ich ärgere mich bei meinem Auto, dass ich es damals nicht als Erdgaswagen gekauft habe, aber da war ich noch nicht so weit. Bei Kleidung tue ich mich noch schwer, aber da findet Lesley jetzt immer tolle Produkte.

Lesyley: Ich war schon immer sehr flohmarktaffin, schon seit Teenagerzeiten. Ich versuche jetzt noch mehr Vintage-Sachen zu kaufen, auf dem Flohmarkt oder in Vintage-Stores. Ich tausche auch viel mit Freundinnen, das sind oft meine liebsten Kleidungsstücke. Ich habe kein Auto, ich fahre Fahrrad. In bestimmten Bereichen mache ich das, glaube ich, schon ganz gut und richtig, aber auch nicht durch und durch. Ich mache demnächst einen Langstreckenflug – da bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass ich das auch einstelle. Man wird einfach in bestimmten Bereichen aufmerksamer.

Fenja: Ich kann es auch gut verstehen, wenn es einigen Leuten schwer fällt, sich damit zu beschäftigen. Man hat viel zu tun, arbeitet viel und muss sich dann noch hinsetzen und nach nachhaltigen Produkten und Lebensformen recherchieren. Deswegen dachten wir, vielleicht machen wir es den Leuten mit Peppermynta etwas einfacher. (lacht)

Das ist ein schönes Schlusswort, vielen Dank für den schönen Vormittag und weiterhin viel Erfolg!

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Hier findet ihr Peppermynta:

Fotos: Julia Stübner

 

 

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