Finanz-Apps für Frauen*: Diese Tools helfen uns wirklich beim Tracken, Sparen und Investieren
21. Juli 2026
geschrieben von Anissa Brinkhoff

Überblick, faire Ausgabenverteilung, strategischer Vermögensaufbau: Die Finanzen im Griff zu haben, ist im Alltag gar nicht so leicht umzusetzen. Erst recht nicht, wenn der Gender Pay Gap ohnehin schon weniger übrig lässt. femtastics-Autorin Anissa Brinkhoff hat die besten Finanz-Apps für Frauen* recherchiert, die beim Sparen, Tracken und Investieren unterstützen, einige Aufgaben sogar automatisieren und berücksichtigen, dass Frauen* strukturell weniger Geld zur Verfügung haben als Männer*.
Wie wir trotz Gender Pay Gap Vermögen aufbauen und Finanzen fair aufteilen
1. Wo geht mein Geld eigentlich hin? Apps, um den finanziellen Überblick zu behalten
Die Grundlage für alle finanziellen Entscheidungen ist ein guter Überblick über das eigene Geld: Wofür gebe ich mein Geld aus? Wieviel habe ich übrig? Diese Infos sollten unseren ganz normalen Konten-Apps liefern. Für alle, die mehr ins Detail gehen wollen, gibt's diese Add-Ons, die du mit deinem Standard-Konto verknüpfen kannst:
Überblick Basic: Die Hausbank-App
- Fast jede Bank ("Sparkasse", "Deutsche Bank", aber auch Neobanken wie "N26" oder "Tomorrow") hat online integrierte Haushaltsbücher, manchmal musst du sie nur aktivieren. Sie kategorisieren Ausgaben automatisch (Lebensmittel, Shopping, Unterhaltungs-Abos) und bietet oft auch Analysen.
- Ideal für alle, die keine zusätzliche App installieren wollen und erst mal nur wissen möchten: Wo geht all mein Geld hin?
Überblick Pro: "Finanzguru" & "Outbank"
- "Finanzguru": Der "Assistent". Er analysiert Verträge, erinnert an Kündigungsfristen und berechnet Budgets. Es gibt eine kostenlose und eine kostenpflichtige Version.
- "Outbank": Für alle, die volle Kontrolle und Privatsphäre wollen. Die App speichert Daten nur lokal auf dem Handy und bündelt alles, vom Girokonto bis zum Krypto-Depot.
Für Detail-Lover: "Lunch Money"
- Ein ästhetisches Web-Tool für alle, die Tabellen lieben, aber ein modernes Design wollen. Ideal, um komplexe Finanzen am Laptop statt am kleinen Handy-Screen zu planen.
Mein Tipp: Wenn du einen groben Überblick willst, reicht die Haushaltsbuch-App deiner Bank. Wenn du dir viele kleine Budgets setzen und tiefer in deine Finanzen einsteigen willst, dann teste eine der Nerd-Apps. Oft reichen drei bis vier Monate, dann hast du Budgets und Routinen so verinnerlicht, dass du sie auch ohne App beibehältst. Und mögliche Pro-Versionen wieder kündigen kannst.
2. Apps zum Investieren: Schritt für Schritt für die Rente vorsorgen oder Vermögen aufbauen
Du musst kein*e Expert*in sein, um mit dem Investieren zu starten. Fang besser unperfekt an und justiere dann nach. Investment-Apps haben zum Glück Barrieren abgebaut, so dass die Börse viel intuitiver funktioniert und Sparpläne schon ab einem Euro loslegen. So kannst du mit kleinsten Beträgen starten, die automatisch jeden Monat in dein Depot wandern:
Ganz einfach starten: "Scalable Capital", "Trade Republic" & "N26":
- Diese Neobroker sind so einfach zu bedienen wie "Instagram". Die Apps machen den Online-Handel mit Wertpapieren so niedrigschwellig wie möglich. Oft kann man schon ab einem Euro monatlich in ETFs investieren und ETF-Sparpläne sind meistens kostenlos.
- Einmalige Investments haben dagegen eine Gebühr und wer viel tradet, kann kostenpflichtige Abos abschließen.
Die seriösen Allrounder: "ING", "DKB" & "comdirekt"
- Klassische Direktbanken mit guten Depots. Einige Investment-Anfänger*innen fühlen sich hier "sicherer" als bei reinen App-Brokern, weil sie dort Depot und Girokonto aus einer Hand bekommen und es diese Banken schon seit vielen Jahrzehnten gibt.
Pro-Tipp: "Parquet"
- Wenn man mehrere Depots hat oder hübsch veranschaulicht sehen will, wie die eigenen Aktien wachsen, ist "Parquet" die perfekte Visualisierungs-App. Für alle, für alle, die es gerne übersichtlich haben und auf einen Blick sehen wollen, wie das Portfolio performt.
Mein Tipp: Frag Freund*innen oder Kolleg*innen, welche App sie nutzen und ob sie happy damit sind. Sie können dir auch beim Einrichten des Depots helfen. Oder du findest jemanden, mit dem du gemeinsam anfängst. Wichtiger als die perfekte App, ist, dass du loslegst!
3. Care-Arbeit & Partnerschaft: Finanzen und Aufgaben fair aufteilen
Frauen* leisten immer noch den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, was sich langfristig sehr negativ auf Einkommen und Rente auswirkt. Stichwort Gender Wealth Gap. Diese Apps helfen, diesen Missstand sichtbar zu machen, Aufgaben in der Partnerschaft anders zu verteilen und Finanzen in der Beziehung zu organisieren.
Care-Arbeit sichtbar machen und fair bezahlen:
- "WhoCares": Ein spezielles Tool, um den Zeitaufwand für Haushalt, Pflegearbeit und Kinderbetreuung zu tracken und in einen Geldwert umzurechnen. Perfekt als Basis für Gespräche über einen Finanzausgleich in der Beziehung.
Ausgaben im Freundeskreis, der Familie oder Beziehung teilen:
- "Splid", "Splitwise": Der Klassiker, um Rechnungen (Miete, Einkauf) oder auch Ausgaben im Urlaub schnell und ohne Kopfrechnen aufzuteilen.
- "Livo": Die "Haushalts-App 2026". Gestartet für WGs, funktioniert sie auch für Paare: Sie kombiniert Finanzen mit To-Do-Listen und einem gemeinsamen Kalender – bekämpft also unfaire Ausgabenverteilung und Mental Load gleichzeitig.
Mein Tipp: Faire Finanzen hören nicht beim Alltag auf, sondern sollten auch die Altersvorsorge einbeziehen. Also rechnet mit: Wer legt wieviel zurück in Rentenversicherung, private und betriebliche Altersvorsorge? Und müssen wir hier auch etwas ausgleichen, so dass wir beide finanziell abgesichert sind?
4. Apps für Steuern & Alltag: Weniger Stress, mehr Automatisierungen
In Zeiten von KI werden Steuerberater*innen immer überflüssiger. Festangestellte können inzwischen super einfach ihre Steuererklärung selbst machen und sich dafür durch diese Apps klicken, Fragen mit dem Chat-Bot besprechen – und sich so jedes Jahr Geld zurückholen. Praktisch: die meisten Apps speichern dauerhafte Angaben wie Nebenkosten oder Wohnungsgröße und übertragen Infos aus dem Vorjahr automatisch:
Steuererklärung mit "Taxfix", "WISO" oder "CHECK24 Steuer":
- "Taxfix" ist super für absolute Anfänger*innen. Im Interview-Modus können keine wichtigen Punkte hintenüber fallen.
- "WISO" ist die Profi-Wahl für alle, die komplexere Fälle haben.
- "CHECK24 Steuer" ist oft eine gute, kostenlose Alternative für unkomplizierte Steuererklärungen.
"Wero": Die "PayPal"-Alternative
- Die meisten nutzen "Paypal", um mal eben fix Geld zu überweisen. Aber: Nicht nur steht Gründer Peter Thiel durch seine Nähe zu rechtsextremen Strömungen berechtigterweise in der Kritik, sondern werden alle unsere Daten bei dem amerikanischen Anbieter gespeichert.
- Unter anderem deshalb gibt es inzwischen "Wero" als europäische Lösung. Der Dienst schickt Geld in Echtzeit direkt von Bankkonto zu Bankkonto (z. B. via "N26" oder "Sparkasse"), ohne dass man ein extra Konto wie bei "PayPal" braucht. Sicherer und mit europäischem Datenschutz.
5. Bildung & Wissen: Apps für mehr Finanzwissen
Finanzielle Bildung ist die beste Versicherung gegen Abhängigkeit. Zum Glück gibt es inzwischen Lern-Plattformen, die Wissen spielerisch und ohne Barrieren vermitteln. Sie sind der "Safe Spac" “, in dem du das nötige Selbstvertrauen aufbauen kannst, um die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen.
- "Beatvest": In kurzen, leicht verständlichen Modulen führt "Beatvest" Schritt für Schritt an die Börse heran. Das Besondere: Du kannst das Gelernte direkt in einem Spiel-Depot ausprobieren, ohne echtes Geld zu riskieren.
- "BeAFox": Ganz neu gegründet, funktioniert es wie die bekannte Sprachen-App "Duolingo" für Finanzen. Du lernst spielerisch in Fünf-Minuten-Häppchen alles über Zinsen, Inflation und Aktien.
- "Female Invest": Eine internationale Community für Frauen*. Hier gibts nicht nur eine App, in der ihr alles rund um Finanzen zu lernt, sondern auch Webinare, Artikel und ein Netzwerk.
Mein Tipp: Ich liebe den "Admin Night"-Trend auf Instagram: Frauen* treffen sind abends oder am Wochenende, um gemeinsam nervigen Orga-Kram zu erledigen – sich beispielsweise um ihre Finanzen zu kümmern. Das macht zusammen natürlich viel mehr Spaß. Und mit Snacks und Drinks dazu sowieso.
6. Nachhaltigkeit und Kids: Apps für grünes Banking und Taschengeld
- "Tomorrow": Die Bank gilt als Vorreiter für mobiles, grünes Banking.
- Wer keine reine Smartphone-Bank ohne eigenes Filialnetz (eine sogenannte Neobank) will, schaut sich die "GLS Bank" oder "EthikBank" an. Hier landet das Geld nicht in Rüstung oder Kohle, sondern nach Ausschlusskriterien und Positivlisten in sozial-ökologische Projekte, erneuerbare Energien, bezahlbaren Wohnraum oder ökologische Landwirtschaft gelenkt, statt in Rüstung oder Kohle zu fließen.
- "Bling": Die erste eigene Bezahl-Karte für Kinder, mit pädagogischem Ansatz. Kinder lernen, alleine zu bezahlen und Ausgaben zu budgetieren. Eltern können gemeinsam Sparbäume anlegen oder sogar mit und für die Kids Investments tätigen, um frühzeitig ein Bewusstsein für den Zinseszins zu schaffen.
Mein Tipp: Auf der Website der "Bundesbank" kann man kostenlos Spielgeld bestellen, wenn man mit den Kids beim Kaufmannsladen oder dem Eisstand im Sandkasten auch "bezahlen" üben will.
Am Ende gilt: Die beste App ist die, die du auch wirklich nutzt. Ob du deine Finanzen lieber bis ins Detail mit planst oder ganz entspannt Automatisierung einstellst, ist Typsache. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch, sondern nur deinen individuellen Weg.
Foto: "Canva"