Stop Gen Z Bashing: Was alle von der jungen Generation lernen können!

11. April 2023

Wenn man über „Gen Z“, also die Generation geboren zwischen dem Ende der Neunziger bis circa 2012, spricht, schwingt schnell das Fazit „faul, verwöhnt und dennoch anspruchsvoll“ mit. Woher kommen diese Klischees – und was können alle von den berühmt-berüchtigten Gen Zlern lernen? femtastics-Autorin und Journalistin Simone Bauer hat ihre Eindrücke dazu gesammelt und teilt ihre Meinung.


Faul, verwöhnt und auch noch anspruchsvoll – so in etwa lauten gerade die gängigen Vorurteile, die der Gen Z nachgesagt werden. Die vorhergehende Generation, „Gen Y“ oder auch „Millennial“ genannt, zeichnete sich in der Wahrnehmung vornehmlich durch das komplette Gegenteil aus. Angehörige dieser Generation wurden irgendwann zwischen den frühen Achtziger und späten Neunzigerjahren geboren und erleben aktuell ihre zweite große Wirtschaftskrise.

Die ehrgeizigen Millennials

Sie sind mit Kriegsszenarien auf der ganzen Welt aufgewachsen – und ihre Eltern sind größtenteils Boomer. Keine Beleidigung, denn sie sind es wirklich: Die Babyboomer sind die Nachkriegsgeneration. Sie gaben ihren Kindern einen starken Arbeitsethos mit und machten sie so zur „Generation Praktikum“. Ermuntert durch viele Unternehmen, die so die Möglichkeit sahen, billige Arbeitskräfte zu akquirieren, mussten die Millennials mit vielen schlecht und gar nicht bezahlten Stellen ihren Lebenslauf füllen, bis endlich der lang ersehnte Job winkte. Dadurch wurde dieser Generation antrainiert, nach Anerkennung und permanentem, positiven Feedback zu streben. Diese ehrgeizige Generation hatte einen starken Wunsch nach finanzieller Sicherheit.

Gen Zler stellen ihre Mental Health auf die oberste Stufe, was vollkommen richtig ist.

Gen Z priorisiert die mentale Gesundheit

Während sich die Millennials also von Haus aus mit ihrem Beruf überidentifizieren und sich danach sehnen, im Job etwas zu bewirken und beispielsweise dort die Digitalisierung voranzutreiben, sieht das bei der Gen Z ganz anders aus. Sie sind laut Studien** lieber arbeitslos als unglücklich.

In meiner Arbeit mit Berufseinsteiger*innen habe ich erlebt, wie sie sich zu hastig beim Vorgesetzten beschwerten – über eine Arbeitsaufgabe, die völlig natürlich für unser Berufsfeld ist, nur sehr langweilig. So setzten sie aber gleichzeitig extrem bewundernswert ihre Grenzen.


Gen Zler stellen ihre Mental Health auf die oberste Stufe, was vollkommen richtig ist. Sie wuchsen mit Sensibilisierung für Themen wie Depressionen und Burn-out auf; es ist in ihrer Generation auch weniger verpönt, darüber zu sprechen. Die Generationen mit den anderen Buchstaben können hier also definitiv lernen wie sie besser mit ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit umgehen.

Konfliktpunkte zwischen Gen Z und Millennials

Aber das macht sie auch weniger wirtschaftlich. Gen Zler ziehen so den Groll der älteren Generationen auf sich – ja, man fühlt sich gar veräppelt, warum man selbst am Wochenende noch erreichbar ist. Sogar bei einem flexiblen Arbeitszeitmodell, das einem zum Beispiel einen freien Mittwochnachmittag, aber einen arbeitsreichen Sonntagvormittag beschert, sagen meine befreundeten Gen Zler rigoros: „Mein Wochenende gehört mir!“

Während der Covid-19-Pandemie kamen auch Ältere auf den Geschmack des „Quiet Quitting“. Hierbei wird nicht vollkommen gekündigt, aber unbezahlte Mehrarbeit, die zum Beispiel dann entsteht, wenn man während der Freizeit mit Kolleg*innen kommuniziert, abgelehnt. Und diese Bewegung ist definitiv nicht die schlechteste!


Auch sind Gen Zler sehr selbstbewusst, wenn sie ihre Meinung sagen – weil sie im Gegensatz zu den Millennials, die ständig den Feedbackprozess suchten, Eltern haben, die sie vor Kritik abgeschirmt hatten. Das ist inspirierend wie schwierig. Es birgt trotz allem die Chance, die Kommunikation im Team zu verbessern und vor allem übergriffiges, verbales Verhalten zu vermeiden.

Während alle anderen Generationen hinunterschlucken, wenn der*die nervige Kolleg*in mal wieder zu weit ging mit Fragen zum Privatleben oder etwas Sexistisches gesagt wird, hauen die GenZler raus, dass es jetzt aber wirklich reicht.

Während alle anderen Generationen hinunterschlucken, wenn mal wieder etwas Sexistisches gesagt wird, hauen die GenZler raus, dass es jetzt aber wirklich reicht.

Eine meiner jüngeren Freundinnen, die sehr starke Geldnot hatte, hat durch ihr beneidenswertes Selbstbewusstsein bei ihrer ersten Festanstellung wegen des Gehaltes zu diskutieren angefangen. Ich, vor allem in Geldnot, aber auch sehr interessiert an dieser Position, hätte es nie gewagt! Sie bekam einen deutlich besseren finanziellen Einstieg in die Berufswelt durch diese Aktion. Also: weiter so.

Die Wohlstandsgeneration?

Ob das Selbstbewusstsein dieser Generation in Wirklichkeit nicht nur Unsicherheiten überspielt, muss jede*r Gen Zler selbst offen zugeben. Ein Wunder wäre es nicht: Inzwischen haben die meisten Berufsanfänger*innen monumentale Momente ihres Lebens im Lockdown erlebt – Schulabschluss, Erstisemester, vielleicht sogar das erste Praktikum. Man sollte also Milde walten lassen.

Letztlich ist der Neid der Älteren vor allem dadurch so groß, dass viele Gen Zler in Wohlstand geboren wurden, anders als beispielsweise die Boomer. Das erlaubt es dieser Generation nun mal, den Job zu wählen, den sie wirklich wollen und der alle ihre Wünsche abdeckt. Eine meiner Freundinnen gab sich ein Jahr Zeit für die Jobsuche – damit dieser ja der perfekte war. Andere hätten an ihrer Stelle jeden Job angenommen, nur, um keine Lücke im Lebenslauf entstehen zu lassen.

Gen Z hat einen großen Drang, diesen Planeten zu retten.

Stärken der Gen Z

Und: Gen Z hat einen großen Drang, diesen Planeten zu retten.*** In diese Mission stecken sie sehr viel Energie. Sie haben praktischerweise weniger Nebenkriegsschauplätze als andere Generationen. Über Jahrzehnte hinweg musste man wählen – war man ein Popper oder ein Hippie? War man ein Rocker, Punk oder Teddy?

Zwar hatte die Jugendströmung der Millennials, die Emos, ein kurzes Comeback als E-Boys und E-Girls, aber die Gen Z zeichnet sich durch einen sehr gleichen Look aus. Sie können sich auf andere, wichtigere Themen konzentrieren als auf Subkulturen. Im Umkehrschluss haben Gen Zler dadurch aber weniger Verständnis für alles, was „anders“ ist. Ausgenommen Queerness: Diese wird vollkommen und früh angenommen. Eine tolle Entwicklung!

Looks abseits der Norm sind hingegen doch gewöhnungsbedürftig für Gen Z und lassen wenig Raum für Kreativität. Das ist besonders befremdlich für die Millennials, denen Individualität sehr wichtig war. Höher, schneller, weiter bedeutete auch eine Vielzahl an Reisen. Gen Z hingegen hat, meiner Erfahrung nach, kein Interesse, auf Biegen und Brechen die Heimat zu verlassen. Nicht nur wegen des ökologischen Fußabdrucks. Sie arbeiten am liebsten in der Nähe ihres Wohnorts, weil ihnen das Privatleben über alles geht. Zu einem solchen Wunsch konnten andere Generationen schwer stehen – Zeit, es zu lernen!

Da die Gen Zler wahrhaftige Digital Natives sind, fallen ihnen viele technische Neuerungen leichter zu adaptieren.

Dafür könnte die Gen Z eine größere Toleranz für Menschen entwickeln, die einen anderen Style haben als sie. Denn schließlich sollte Akzeptanz von allen Seiten kommen. Und Hand aufs Herz, wir hängen doch alle (auch die Boomer) gerne am Handy – nur jede*r auf anderen Apps.

Da die Gen Zler wahrhaftige Digital Natives sind, fallen ihnen viele technische Neuerungen leichter zu adaptieren. Millennials sind dadurch im Arbeitsleben angekommen, dass sie ihre Kolleg*innen nachgeahmt haben. Warum also nicht die Gen Z dabei nachahmen, ohne Vorurteile an neue Gadgets zu gehen? Wir können alle nur gewinnen.

Illustration: Adobe Stock


Text: Simone Bauer

Links zu Studien, die im Text genannt werden:
** „Was die Gen Z im Beruf will“
Zenjob Gen-Z-Studie 2022: Das wünschen sich junge Arbeitnehmer*innen von ihrem Job
*** „Deloitte Millennial Survey 2022

2 Kommentare

  • Turid sagt:

    Danke fürs Mitteilen. Ich bin Jahrgang 1969 und bin sehr stark mit dem Leistungsgedanken erzogen worden!
    Ich bewundere die Zler und habe bei meinen Kindern(Jhg 1996. & 1998) ein Mix versucht. Es scheint zur Zeit gelungen!

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