Female Finance: Investieren in ETF – welche Kriterien gilt es zu beachten?

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30. April 2020

Ihr habt schon in früheren Beiträgen (z.B. hier) gelesen, dass ETF – Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds – eine gute Möglichkeit sind, um Geld an der Börse zu investieren. Natürlich erst, nachdem ihr die Grundlagen, vor allem den Notgroschen, erfolgreich gelegt habt. Wenn du dich also entscheidest, dein Geld an der Börse zu investieren, kann ein ETF eine gute Möglichkeit sein.

Ein ETF ist eine besondere Form eines Aktienfonds. Ein Aktienfond bündelt das Geld vieler Investor*innen (also Menschen wie du und ich) und kauft mit diesem Geld Aktien, also Anteile von Unternehmen. Da viel Geld in dem Fonds liegt, kann der Fonds mehr Aktien kaufen, als wenn jede von uns allein Aktien kaufen würde. Du als Anlegerin kaufst dann einen Anteil an dem Fonds.

Ein Aktienfonds ist also vergleichbar mit einem Eintopf: Wenn ich als Einzelperson ein aufwendiges Gericht kochen möchte, ist das ziemlich teuer: ich muss alle Zutaten besorgen, die Gewürze, Töpfe usw. Wenn aber ein Restaurant dasselbe Gericht kocht, kann es uns unsere Portionen zu günstigeren Preisen verkaufen, als wenn wir alle einzeln kochen würden. Unser Anteil an einem Aktienfonds ist vergleichbar mit einem Teller Eintopf aus einer Restaurant-Großküche.

Ein ETF ist eine besondere Form von Aktienfonds: Anstelle einer Fondsmanagerin, die bewusst entscheidet, welche Aktien gekauft werden, folgt ein Computer einem vorgegebenen Index.

Ein ETF ist eine besondere Form von Aktienfonds: Anstelle einer Fondsmanagerin, die bewusst entscheidet, welche Aktien gekauft werden, folgt ein Computer einem vorgegebenen Index. Ein solcher Index ist z.B. der DAX, der Deutsche Aktienindex. Im DAX sind per Definition die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen enthalten. Ein ETF auf den DAX investiert also immer in die 30 größten deutschen Unternehmen; wenn ein Unternehmen eine schlechte Zeit hat und nicht mehr zu den Top 30 gehört, wird der ETF die Aktien dieses Unternehmens verkaufen und dafür Aktien des Unternehmens kaufen, das stattdessen in die Top 30 aufgestiegen ist. Obwohl sich die Zusammensetzung ändern kann, bleibt die Definition gleich.

ETFs haben verschiedene Vorteile: Sie sind unkompliziert in deinem Online-Depot über die Börse zu handeln. Du bist also vollkommen eigenständig und musst nicht über eine Finanzberaterin handeln. Außerdem sind ETF kostengünstig, transparent und sehr breit aufgestellt. Es gibt ETFs, die mehr als 90% des weltweit verfügbaren Aktienmarkts abbilden. Durch diese breite regionale Streuung reduzierst du dein Risiko.

Da ETFs in den letzten 15 Jahren zunehmend an Interesse gewonnen haben, gibt es mittlerweile viele, teilweise sehr ähnliche ETFs auf dem Markt. Wie kannst du also den für dich besten ETF auswählen?

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“.

Aktien, Anleihen, Rohstoffe …

Zunächst solltest du auswählen, ob du in einen Aktien-, Anleihen-, Rohstoff- oder Immobilien-ETF investieren möchtest. Wenn du ganz am Anfang stehst und noch mehr als 15 Jahre Zeit hast, würde ich dir empfehlen, mit einem Aktien-ETF anzufangen. ETF sind eine simple Methode, dein Risiko breit zu streuen; das solltest du nicht verkomplizieren.

Region

Es gibt ETF für fast alle Regionen und Länder weltweit. Um dich breit aufzustellen und somit dein Risiko zu reduzieren, bietet sich ein globaler ETF an. Ein Klassiker ist hier der MSCI ACWI. ACWI steht für „All Country World Index“; dieser ETF investiert in (fast) alle Länder weltweit.

Thesaurierend oder ausschüttend

Als ETF-Investorin gehören dir Aktien, und für diese Aktien bekommst du eine Dividende ausgeschüttet, also einen Anteil am Unternehmensgewinn. Bei deinem ETF kannst du wählen, ob dir diese Dividende ausgeschüttet, oder ob sie reinvestiert („thesauriert„) werden soll. Ein thesaurierender ETF kauft von der Dividende direkt wieder neue Fondsanteile, sodass dein Vermögen schneller wächst. Andererseits kann es motivierend sein, die Dividende ausgezahlt zu bekommen und so dein verfügbares Einkommen zu erhöhen.

Replizierung

Die Replizierung, also die Nachbildung des Index, ist ein weiterer Faktor bei der Wahl deines ETF. Ein physisch („voll“) replizierender ETF kauft die Aktien, die laut Index in dem Fonds enthalten sein sollen. Ein synthetisch replizierender („swap-basierter“) ETF kauft dagegen Aktien, die sich ähnlich entwickeln wie die, die in dem Index enthalten sein sollen, und tauscht sie gegen die richtigen Aktien. Die Aufsichtsbehörden sehen kein Problem mit der synthetischen Replizierung; trotzdem sinkt die Nachfrage nach synthetischen ETF kontinuierlich, weil Anlegerinnen lieber in physische ETF investieren.

Alter und Größe des ETF

Ein ETF lohnt sich für die Fondsgesellschaft nur, wenn er eine gewisse Größe hat; ansonsten ist der Gewinn zu kleiden. Daher sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Fonds geschlossen wird, mit zunehmender Größe („Fondsvolumen“). Dasselbe gilt für das Alter: Wenn ein Fonds bereits einige Jahre existiert, wird er wahrscheinlich nicht in der nächsten Zeit geschlossen.

Als Richtlinie gilt: Mindestens 100 Mio. Euro Fondsvolumen, und mindestens vier Jahre alt. Allerdings ist es nicht schlimm, falls der Fonds geschlossen wird: Dein Geld gilt als Sondervermögen, d.h. dein Geld ist nicht weg. Allerdings musst du dir dann einen neuen ETF suchen, in den du investieren möchtest, d.h. du hast zusätzlichen Aufwand.

Persönliche Präferenzen

Wenn du möchtest, kannst du deinem ETF auch eine persönliche Note verleihen. Ich investiere zum Beispiel hauptsächlich in nachhaltige ETF. Andere Investorinnen wählen spezifische Branchen oder Regionen aus. Bei diesen Präferenzen solltest du aber nicht vergessen, deine breite Streuung beizubehalten, um das Risiko zu minimieren.

Depot-Auswahl

Die verschiedenen ETF-Kriterien kannst du z.B. über eine ETF-Homepage (z.B. www.justetf.com oder de.extraetf.com) auswählen. Dort kannst du auch sehen, welches Depot sich für die Höhe deiner Investition am besten eignet. Das hängt auch davon ab, ob du eine einmalige Investition tätigen oder regelmäßig per Sparplan investieren möchtest.

Und dann heißt es: Investieren! Ein weiterer Vorteil von ETFs ist, dass du bereits ab 25 Euro investieren kannst. Du kannst also mit kleinen Beträgen anfangen und dich langsam steigern. Und denke immer daran: 80% richtig ist besser also 100% nicht gemacht!

 

Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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