Female Finance: Ist es besser in eine Immobilie oder in Aktien zu investieren?

28. September 2021

Fragst du dich, ob du dein Geld lieber in Aktien oder doch besser in Immobilien investieren solltest? Vielleicht hast du deine Eltern im Ohr: „Immobilien sind eine sichere Angelegenheit, da hast du immer ein Dach über dem Kopf. Investiere lieber in Betongold, statt dein Geld an der Börse zu verzocken.“
So oder so ähnlich bin ich geprägt worden.

Was ist besser: Immobilien oder Aktien?

Die Wahrheit liegt, wie so häufig, in der Mitte: Es kommt darauf an. Wo steht die Immobilie? Wie viele Immobilien besitzt du? Wie läuft das Unternehmen, von dem du Aktien gekauft hast? In wie viele Unternehmen investierst du? Wohnst du selbst in der Immobilie oder vermietest du? Welchen Zeitraum schaust du dir an? Großstadt oder Kleinstadt? Niedrige oder hohe Kreditzinsen?

Um dir die Entscheidung zu erleichtern, findest du in dieser Übersicht die wesentlichen Unterschiede und die damit verbundenen Vor- und Nachteile einer Immobilie und einer Aktieninvestition.

Claudia Müller ist Gründerin des „Female Finance Forum“.

Immobilie:

  • Der große Vorteil einer Immobilie ist, dass du dir mit fremdem Geld (meistens ein Bankkredit) einen höheren Lebensstandard leisten kannst, als du aus eigener Kraft erreichen könntest. Der Kredit ist ein Hebel, den du für dich einsetzen kannst.
  • Ein Nachteil einer Immobilie ist, dass du bereits (relativ viel) Geld brauchst, um überhaupt zu starten. Selbst, wenn du einen guten Kredit bekommst, solltest du idealerweise mindestens 10-15 % Eigenkapital mitbringen. Dafür brauchst du Erspartes, ein Erbe oder eine andere Geldquelle.
  • Bei einer Immobilie zahlst du normalerweise über viele Jahre deinen Kredit zurück. Das kann belastend sein; du musst auf jeden Fall sowohl finanziell als auch emotional darauf vorbereitet sein. Auch das Zinsänderungsrisiko solltest du bei Kreditabschluss bedenken. Gleichzeitig ist dieser Bankkredit die beste Spardose, die du dir wünschen kannst: keine Flexibilität, dafür (erzwungene) Disziplin.
  • Der Name Immobilie sagt es bereits: Sie ist immobil. Wenn du deine Zelte abbrechen möchtest, kannst du deine Wohnung nicht mitnehmen. Du kannst sie verkaufen (Kaufnebenkosten und Steuern beachten!) oder vermieten (z.B. über eine Immobilienverwaltung), aber du musst dich darum kümmern und Zeit einplanen.
  • Für viele von uns bindet die Immobilie den größten Teil unseres Vermögens; sie stellt damit ein „Klumpenrisiko“ dar. Wenn der Wert dieser Immobilie steigt, ist es gut gelaufen; wenn der Wert fällt, ist es sehr ärgerlich, weil gleich dein ganzes Vermögen schrumpft. Diversifikation, also Streuung deines Vermögens über viele verschiedene Geldanlagen, ist bei Immobilien nur mit sehr viel Geld möglich.
  • Lage, Lage, Lage … Die durchschnittliche Rendite einer Immobilie ist sehr schwer zu bestimmen und vor allem aussagelos für dich: Kaufst du eine Wohnung im Herzen Hamburgs? Oder irgendwo in einer Kleinstadt? Je nach Bevölkerungsentwicklung und Kaufpreis können sich diese Immobilien in ihrem Wert sehr unterschiedlich entwickeln.
  • Viele Menschen unterschätzen, wieviel Geld in eine Immobilie investiert werden muss, um den Wert zu erhalten. Das kann das Badezimmer sein, die Fenster oder das Dach; irgendetwas fällt bestimmt an. Für solche Reparatur-, Renovierungs- oder Umbauarbeiten solltest du auf jeden Fall von Anfang an Rücklagen bilden.

Aktien:

  • Bei einer Aktie kannst du „nur“ mit dem Geld arbeiten, das du selbst besitzt. Du bekommst kein Geld von der Bank, und ich würde dir stark davon abraten, einen Kredit aufzunehmen, um in Aktien zu investieren. Das heißt aber auch, dass du eine flache Anfangskurve hast, die erst im Laufe der Zeit schneller steigt.
  • Der Vorteil der Aktieninvestition ist, dass du mit kleinsten Beträgen einsteigen kannst. Du brauchst kein Eigenkapital; ein paar wenige Euro reichen aus, um deine ersten Investitionen zu tätigen.
  • Deine Aktien (oder Aktienfonds) kannst du jederzeit verkaufen, deinen Sparplan kannst du bei Bedarf pausieren oder anpassen. Damit bist du deutlich flexibler in deiner Finanzplanung. Gleichzeitig bist du dafür verantwortlich, selbst die Disziplin aufzubringen, deine Sparrate nicht nach Gutdünken reduzieren, weil dir gerade danach ist.
  • Ein Aktienportfolio ist örtlich ungebunden. Du möchtest ab 40 auf Bali leben? Dank Online-Banking kein Problem, los geht’s!
  • Risikostreuung ist bei Aktien sehr leicht möglich: Wenn du in einen Aktienfonds (z.B. in einen kostengünstigen ETF) investierst, kannst du mit wenig Geld in mehr als 1.000 Unternehmen aus allen Regionen der Welt investieren. Wenn eines dieser Unternehmen in Schieflage gerät, wirst du das überhaupt nicht bemerken.
  • Da du problemlos in viele verschiedene Aktien investieren kannst, ist der durchschnittliche Gewinn eine gute Orientierung. Der „MSCI World“ hat – nach Abzug von Kosten und Steuern – eine durchschnittliche Rendite von 7,9 % pro Jahr gebracht . Damit kannst du zuverlässig planen und rechnen.



Immobilien und Aktien haben jeweils ihre Eigenheiten. Welches für dich das Mittel der Wahl ist, musst du selbst entscheiden und hängt natürlich von deiner Zielsetzung und deiner Ausgangslage ab.

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Text: Claudia Müller

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Illustration: Stefanie Berkmann

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