Anouk Jans – diese Hamburger Kreative solltet ihr kennen!

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19. März 2020
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Obwohl sie heute erst 25 Jahre alt ist, begann Anouk Jans‘ Karriere schon vor 12 Jahren. Im Alter von 13 wurde sie als „jüngste Modebloggerin Deutschlands“ gefeiert, mit 18 veröffentlichte sie ihr eigenes Buch, mit Anfang 20 war sie verantwortlich für die Social-Media-Kanäle großer Modemarken. Heute arbeitet die Hamburgerin als Kreativdirektorin, entwickelt Werbekampagnen und bringt Kreative für Projekte zusammen. Wir sprechen mit Anouk in ihrer lichtdurchfluteten Hamburger Altbauwohnung über Mode, neue Frauenbilder in Medien und Werbung, das Leben als Freelancer und Selbstliebe. Dabei trägt Anouk die neue nachhaltigere Denim-Kollektion von C&A.

Anouk lebt in einer 3-Zimmer-Wohnung im Hamburger Grindelviertel.

femtastics: Du hast schon sehr früh in deinem Leben begonnen, dich mit Social Media und Mode zu beschäftigen. Was hat dich an diesen beiden Themenbereichen gereizt?

Anouk Jans: Ich habe mit meinen Eltern auf dem spanischen Land gelebt. Da hatte ich keinen Zugang zu Mode. Durch meinen Vater, der zwanzig Jahre lang Galerist in Hamburg, und meine Mutter, die früher Kunstbuchhändlerin war, hatte ich ein Interesse an Kunst und Design vermittelt bekommen – es musste nur geweckt werden. Irgendwann waren meine Mutter und ich in New York und ich habe dort zum ersten Mal von Modebloggern gehört. So kam es, dass ich damals, im Alter von 13, in das Thema hineingerutscht bin.

Du hast jahrelang gebloggt und wurdest von Medien als „jüngste Modebloggerin Deutschlands“ bezeichnet. Warum machst du das heute nicht mehr?

Mit einem Instinkt für Trends in der Branche hat man vor einigen Jahren gemerkt, dass das Bloggen in den Hintergrund trat und Instagram immer wichtiger wurde. Das war ein Medium, in dem ich mich nicht so zu Hause gefühlt habe wie in Blogs. Das Bloggen war für mich eine Form des Tagebuchs, es ging viel ums Schreiben und darum, seine Gedanken in Worte zu fassen. Das war bei Instagram nicht im gleichen Maße gegeben, besonders anfangs nicht. Es war  eine Plattform der Leute, die eher „Snack-Content“ kreiert haben, kurze Inhalte, die man schnell konsumieren kann.

Ich habe mit 18 ein Buch über das Bloggen und das Influencer-Leben geschrieben. Danach habe ich gesagt: Das war’s, jetzt schlage ich einen neuen Weg ein.

Aber du bist ja auch ein sehr visueller, ästhetisch interessierter Mensch …

Ja, aber es gibt bestimmte Influencer auf Instagram, die besonders gut funktionieren – und zu denen habe ich nie gehört. Ich brauche mehr Tiefe und Inhalt. Ich habe kürzlich wieder begonnen, meinen persönlichen Stil auf Instagram zu dokumentieren, zusammen mit einem jungen Fotografen aus Berlin, Nis Alps, und das bringt mir Freude – aber dieser Stil und diese Bildsprache, die auf Instagram besonders erfolgreich sind, das bin ich nicht. Meine persönlichen Bilder haben noch nie zu einem bestimmten Trend gepasst.

Ich habe mit 18 ein Buch über das Bloggen und das Influencer-Leben geschrieben. Danach habe ich gesagt: Das war’s, jetzt schlage ich einen neuen Weg ein. Ich habe meinen Instagram-Account gelöscht, bei dem ich recht viele Follower hatte, weil ich gesagt habe: Das möchte ich nicht mehr sein.

Du bist dann sozusagen hinter die Kulissen gewechselt.

Ich war für Social Media und Content bei Modemarken zuständig und habe ein Magazin bei einem Verlag betreut. Es war ein neuer Lebensabschnitt für mich. Danach war mein Verhältnis zur Influencer-Welt immer zwiegespalten: Mir liegt diese Arbeit, ich bin gut darin, aber ich möchte selbst keine klassische Fashion-Influencerin mehr sein. Ich möchte über andere Themen informieren und auf anderen Wegen inspirieren.

Anouk, die gebürtig aus Hamburg stammt, hat über fünf Jahre ihrer Jugend in Spanien verbracht und ist seit rund zehn Jahren wieder in Hamburg.

Ohne diese großen Namen auf meinem Lebenslauf wäre ich als Anfang-zwanzigjährige Frau nicht ernst genommen worden. Bis heute bin ich in vielen Meetings die einzige junge Frau unter Ü-40-Männern.

Schule und Arbeit haben sich bei dir parallel entwickelt, richtig?

Ich musste als Schülerin Abiturvorbereitungen und Fashion-Week-Termine koordinieren. Nach dem Abitur war ich für zwei Monate an der Akademie für Mode und Design in Hamburg, weil ich dachte, ich müsse studieren. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es für mich nicht das Richtige ist – und bekam parallel das Angebot, die Social Media-Kanäle einer Modemarke zu managen.

Ich denke auch nicht, dass eine klassische Ausbildung unbedingt nötig ist. Oft lernen Student*innen fernab der Praxis, sie werden nie ins kalte Wasser geworfen und wissen auch nach dem Studium nicht, wie sie sich auf den Berufsalltag einstellen sollen.

Bei dir hat es funktioniert!

Es hat mir auf jeden Fall geholfen, dass ich im jungen Alter für bekannte Modemarken gearbeitet habe, eine Kolumne bei einem Magazin von Gruner+Jahr hatte und Teil großer Medienkampagnen war, um Vertrauen zu gewinnen. Ohne diese großen Namen auf meinem Lebenslauf wäre ich als Anfang-zwanzigjährige Frau nicht ernst genommen worden. Bis heute bin ich in vielen Meetings die einzige junge Frau unter Ü-40-Männern.

Das Interview führt femtastics-Co-Gründerin Anna.

Woher hattest du das Selbstvertrauen, dich in diesen Meetings zu behaupten?

Ich hatte die Schule der Medien. Als jüngste Modebloggerin Deutschlands wurde ich über zwei, drei Jahre so durch die Medien gezogen – ich war bei Gottschalk, in der ARD, im NDR, … In solchen Live-Sendungen habe ich gelernt, offen von meinen Ideen zu erzählen und meine Vision und Meinung so in Worte zu fassen, dass sie andere motiviert und ihnen neuen Perspektiven eröffnet. Es wurde irgendwann ganz natürlich und einfach für mich.

Welche Rolle spielt Mode heute für dich?

In den letzten zwei Jahren habe ich eine Art modische „Uniform“ entwickelt, weil ich herausgefunden habe, worin ich mich am wohlsten fühle. Ich musste dafür viel ausprobieren, habe viele Trends mitgemacht. Mittlerweile weiß ich, dass ich mich in simplen Looks sehr wohl fühle. Am experimentierfreudigsten bin ich mit Schmuck und Details.

Nachhaltigkeit ist das wichtigste Thema in der Mode – es ist unsere Zukunft!

Wie gefällt dir die neue nachhaltigere Denim-Kollektion von C&A?

Nachhaltigkeit ist das wichtigste Thema in der Mode – es ist unsere Zukunft! Man kann es unterschiedlich angehen: Man kann Second-Hand-Mode kaufen, man kann sehr hochwertige Produkte kaufen und diese vererben oder weitergeben, oder man kann Mode kaufen, die nachhaltiger produziert wurde. Das trage ich dann auch gerne und mit Stolz!

2015 hast du deine eigene Agentur „Blanca“ gegründet. Wie kam das?

Das war ein bisschen wie damals mit meinem Blog: Ich habe einfach eine Website kreiert und aufgeschrieben, wofür ich stehe und was ich machen möchte. Dadurch wurde es real. Ich kam mit einem Freund ins Gespräch, der dasselbe machen wollte wie ich. Er hat uns einen Pitch für eine große Beauty-Brand ermöglicht – und wir haben den Auftrag bekommen! Wir wurden also im ersten Gründungsjahr die Hauptagentur für diese Beauty-Marke. Dann ging es schnell: immer mehr Kunden kamen dazu, wir haben sehr viele Kampagnen auf die Beine gestellt. Im zweiten Jahr wollte sich mein Partner mehr auf seine Familie konzentrieren und ich wusste, dass sich die Agentur verändern muss. Ich wollte mich von einer Social-Media-Agentur zu einer Beratungsagentur entwickeln. Es liegt mir, Dinge in Gang zu setzen,  das mache ich am liebsten.

Heute ist deine Agentur ein Kollektiv aus Kreativen und Kuratoren – wie setzt sich das Netzwerk oder Team zusammen?

Unser Kollektiv trägt den Namen „BYUS„, dazu gehören Kreative aus München, Berlin und Hamburg, die unter anderem Grafikdesign, Video- und Fotoproduktion machen. Alle haben eigene Kompetenzen und ihre besondere Expertise und wir tun uns projektweise zusammen. In der Regel tauschen wir uns über WhatsApp-Gruppen und Skype aus.

Siehst du die Zukunft der kreativen Arbeit in solchen Freelancer-Netzwerken, die projektbezogen zusammen arbeiten?

Absolut. Es ist eine Challenge, aber ich finde ortsunabhängiges, freies Arbeiten großartig. Mir persönlich fällt es trotzdem immer noch schwer, mich gedanklich von klassischen Arbeitszeiten freizumachen – wenn ich zum Beispiel um 8 Uhr nicht am Schreibtisch bin, habe ich ein schlechtes Gefühl. Selbst wenn ich in einem Meeting bin, denke ich, ich müsste doch eigentlich E-Mails am Schreibtisch bearbeiten. Ich muss mich ans Freelancer-Leben auch nach fünf bis sechs Jahren noch gewöhnen, aber es ist definitiv die Zukunft. Es wird immer mehr Freelancer geben, weil immer mehr Firmen diese Flexibilität brauchen – im Kopf, im Arbeiten, im Reisen.

Ich habe sogar eine Event-Reihe zu diesem Thema ins Leben gerufen: die „Creative Pop Up School„, eine neue Art Schule für Freelancer*innen, Gründer*innen und Kreative.

Es wird immer mehr Freelancer geben, weil immer mehr Firmen diese Flexibilität brauchen – im Kopf, im Arbeiten, im Reisen.

Anouk trägt eine Jeans aus der nachhaltigeren Denim-Kollektion von C&A, hergestellt mit recycelter Baumwolle.

Wie hast du dir dein Netzwerk aufgebaut?

Man hört ja oft, wie wichtig es ist, „Nein“ zu sagen. Bei mir hat das „Ja“ aber immer überwogen. Ich habe zu allem erst einmal „Ja“ gesagt. Das hat mich auch in Situationen gebracht, in denen ich rückblickend dachte, ich hätte besser „Nein“ sagen sollen, und ich lerne jetzt, wann ich Dinge besser ablehne, aber letztlich habe ich davon enorm profitiert. Ich habe Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen kennengelernt, ich war Stylistin, Beraterin, Speakerin, … Ich habe sehr viel gelernt.

Wie beurteilst du den Zusammenhalt von Freelancern in Hamburg?

Meiner Erfahrung nach sind alle sehr offen für Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. Alle geben einander gerne etwas, weil sie darauf vertrauen können, auch etwas zurückzubekommen. Dieses Vertrauen ist wichtig. Eine besondere Herausforderung ist es, wenn man mit Freunden zusammenarbeitet.

Welchen Tipp hast du, damit das gelingt?

Man muss offen miteinander reden und eventuelle Probleme rechtzeitig ansprechen. Ich mache mit meinem Team regelmäßige Feedbackrunden, in denen wir uns dazu austauschen, was im letzten Monat gut oder schlecht gelaufen ist. Dabei besprechen wir auch, was wir in Zukunft besser machen können.

 

Aktuell beschäftigt mich zum Beispiel das Thema Altersdiskriminierung: Ich sehe meine Mama oder meine Oma so gut wie gar nicht in den Medien und der Werbung repräsentiert.

Du bist seit vielen Jahren Profi für digitale Inhalte und beschäftigst dich viel mit Menschen und Bildern in den Medien. Musst du oft gegen Stereotype ankämpfen?

Ja, sehr oft. Ich habe zum Beispiel eine Beauty-Kampagne für einen Kunden mitentwickelt, der für das betreffende Produkt bis dato nur mit weißen, blonden Models gearbeitet hatte. Ich habe dem Kunden gleich gesagt: „Es wird eine radikale Veränderung geben!“ Ich habe das Model-Casting und die Produktion übernommen und Diversity in die Kampagne gebracht. Eines der Models war zum Beispiel komplett tätowiert, dunkelhäutig und hatte einen markanten Kurzhaarschnitt – und genau sie hat der Kampagne so gut getan. Ich wusste, es ist ein Risiko, weil der Kunde anfangs etwas gegen die Tattoos hatte. Aber ich wusste auch, der Kunde wird am Ende glücklich sein und das Risiko bin ich deshalb gerne eingegangen.

Wie beurteilst du die Entwicklung hinsichtlich Diversität und neuen Frauenbilder in Medien und Werbung?

Ich denke, es geht schon in eine gute Richtung und wir sind schon sehr laut. Aber aktuell beschäftigt mich zum Beispiel das Thema Altersdiskriminierung: Ich sehe meine Mama oder meine Oma so gut wie gar nicht in den Medien und der Werbung repräsentiert. Auch das Thema Kurven – und ich rede nicht von „Plus Size“, sondern von Frauen, die eine ganz „normale“ Figur haben – wo sind die? Die sehe ich noch viel zu wenig. Ebenso das Thema schlechtere Haut: Es wird noch immer viel zu viel mit Photoshop retuschiert und noch immer viel zu wenig Natürlichkeit gezeigt. Auch Falten werden noch viel zu viel retuschiert. Ich wünsche mir, dass es irgendwann normal ist, Natürlichkeit zu zeigen, und dass wir Frauen uns damit auch wohlfühlen. Auch ich habe in der Hinsicht noch einen langen Weg vor mir.

Irgendwann hatte ich die Möglichkeit, komplett loszulassen oder für den Rest meines Lebens in einem mentalen Gefängnis zu bleiben.

Wie bringst du diese Gedanken in deine eigene Arbeit ein?

Mir sind Werte sehr wichtig und diese schaue ich mir bei potentiellen Kunden und Partnern sehr genau an. Ich würde nie etwas machen, wohinter ich nicht stehe. Das kann ich auch nur jedem anderen Freelancer empfehlen. Zudem ist es mir wichtig, junge Talente zu fördern.

Du selbst fällst mit deinem Haarschnitt ja schon auf und brichst mit stereotypisch weiblichen Bildern. Ist das deine Absicht?

Selbstbewusst mit meinem Aussehen umzugehen war für mich nie leicht. Ich wurde früher für so vieles gehänselt: für mein abgeknicktes Ohr, für eine große Narbe an meinem Hals und eine andere auf meinem Kopf, für meine Nase, die zweimal gebrochen war … Bis ich 15 war, wollte ich immer, dass meine Haare meine Narbe am Hals und mein Ohr verdecken. Und dadurch, dass ich auf Social Media so aktiv war, gibt es von mir so viele alte Bilder im Netz, es wurde alles dokumentiert – auch Bilder aus der Jugend, die man lieber vergessen würde.

Ich war früher extrem kritisch mit mir selbst, weil ich sehr perfektionistisch bin. Ich habe es so auf die Spitze getrieben, dass es fast schon zwanghaft war. Irgendwann hatte ich die Möglichkeit, komplett loszulassen oder für den Rest meines Lebens in einem mentalen Gefängnis zu bleiben. Erst vor rund einem Jahr habe ich entschieden, nicht mehr jeden Millimeter meines Äußeren kontrollieren zu wollen. Es gibt Wichtigeres in der Welt.

Vielen Dank für das Gespräch, Anouk!

Hier findet ihr Anouk Jans:

Layout: Kaja Paradiek 

– Werbung: Diese Story entstand in Zusammenarbeit mit C&A –

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